SWB-Marathon: Der Bremer Emin da Silva läuft wie ein Roboter

Beim SWB-Marathon in Bremen läuft Emin da Silva die Halb­marathon­strecke mit komplett durch­ge­streckten Beinen. Dazu trägt er einen weißen Anzug, der bei der General­probe bereits an den Nähten geplatzt ist …

Training an der Weser: Emin da Silva hofft auch am Sonntag beim SWB-Marathon auf gutes Wetter. (Foto © Privat)

Wenn Emin da Silva am kommenden Sonntag beim Bremer SWB-Marathon an den Start geht, wird er sofort auffallen. Und genau das ist es, was der Extrem­sportler und Lauf­künstler will. Seit 15 Jahren über­rascht der Bremer immer wieder mit ausge­fallenen Ideen, um bei verschie­denen Läufen in Deutsch­land und Europa Spenden für wohltä­tige Zwecke zu sam­meln oder um auf gesell­schaft­liche Probleme aufmerk­sam zu machen. Mal lief er rückwärts, mal auf einem Bein hüpfend oder mit verbun­denen Augen, er lässt sich stets eine schwierige Nummer einfal­len. Seine neueste Idee: da Silva wird die komplette Halb­marathon-Distanz in Bremen über 21,1 Kilometer mit durch­ge­streckten Beinen laufen und dabei einen feinen weißen Anzug mit Sakko tragen, als Symbol für eine saubere Stadt.

Für eine saubere Stadt

Denn diesmal möchte er vor allem auf die Arbeit der Bremer Stadt­reinigung aufmerk­sam machen. „Wenn ich durch Bremen oder andere Städte laufe, sehe ich oft Müll“, sagt er, „es ist mir ein Anliegen, dass wir alle gemeinsam auf eine saubere Stadt achten. Die Stadt gehört doch uns allen.“ Seit vielen Wochen übt da Silva bereits an verschie­denen Orten in Bremen für seinen außer­ge­wöhnlichen Lauf, mal am Oster­deich oder an der Schlachte, mal im Park oder auf den Sport­plät­zen der Stadt. Dabei fiel er natür­lich bereits auf, wenn er mit den Beinen wie eine Art Scheren­schritt nach vorne läuft und auch die Arme zur Balance entspre­chend bewegen muss.

Ein paar Kinder versuchten, das nachzumachen, als sie ihn in Bremen wie einen laufenden Roboter üben sahen. Aber der Laufstil ist schwer: Nach der General­probe am Wochen­ende auf der Lauf­bahn in Findorff tut ihm noch immer alles weh. Die Knie­kehlen, der Nacken, die Hüften und die Ober­schenkel. „Diese Bewe­gung ist für den Körper eine enorme Heraus­for­derung, ich habe bei der General­probe wirk­lich maximal gelitten“, erzählt er. 52-mal musste er in Findorff eine Runde auf der Bahn drehen, um auf die Halb­marathon-Distanz zu kommen, und das auch noch bei Wind und Regen. Da Silva ahnt, dass es am Sonntag sogar noch schwieriger werden dürfte: Denn dann führt die Lauf­strecke nicht nur flach eine Bahn entlang wie in Findorff, sondern es gibt Stei­gungen wie etwa die Rampe vorm Weser­stadion. „Das kann heftig werden, aber ich will es unbedingt ins Ziel schaffen.“

Ich finde, beim Laufen soll man auch kreativ sein dürfen.

Emin da Silva, er sucht genau diese Herausforderungen. „Beim Fußball dürfen die Spieler auch den Kopf oder die Brust benutzen, warum soll es beim Laufen also immer nur einfach so geradeaus gehen?“, fragt er. Dazu hat er eine Anekdote parat: Diesen Sommer lief er den Halb­marathon in Marburg mit, und zwar ausnahms­weise mal nicht im Salsa-Schritt oder mit verbun­denen Augen, sondern ganz normal wie alle anderen Läufer auch. „Das war sehr lang­weilig für mich“, erzählt er und wundert sich selbst darüber. „Ich fand es für den Kopf extrem anstrengend, dort überhaupt ins Ziel zu kommen. Mir fehlte die Zusatz­motivation, die beson­dere Heraus­for­derung. Ich finde, beim Laufen soll man auch kreativ sein dürfen, und deshalb freue ich mich schon auf meinen Lauf am Sonntag in Bremen.“

Begleitet wird er auf der Strecke diesmal von einem befreundeten Polizisten. Nicht als Body­guard, wie das beim Rückwärts­laufen oder mit verbun­denen Augen früher nötig war, son­dern zum Filmen für die sozialen Netzwerke und zur Versor­gung. Da Silva erklärt: „Bei meinem Laufstil mit den durch­ge­streckten Beinen kann ich nicht anhalten, um mir ein Getränk oder eine Banane zu holen. Es wäre danach zu schwer, wieder mit Tempo in die Bewegung zu kommen. Deshalb brauche ich dafür einen Helfer.“

Eine zusätzliche Herausforderung hat er sich freiwillig ausgesucht: den weißen Anzug. Er lief schon zweimal beim Marathon in Anzügen, einmal sogar in Werder-Grün. Daher weiß er: Baumwolle und Schweiß vertragen sich nicht so gut auf einer langen Strecke. „Der Anzug kann ganz schön schwer auf der Haut werden, wenn er voller Schweiß oder Regen ist.“ Die Idee ist diesmal, das Sakko direkt auf der Haut zu tragen, ohne T-Shirt darunter und viele Knöpfe offen­zu­lassen. In der Hoffnung, dass der Schweiß dann eher verdunstet, statt in den Stoff zu sickern.

Das größere Problem war nun aber die Hose: Am Montag musste da Silva losziehen, um in Bremen eine neue weiße Anzug­hose für den Marathon zu kaufen. Denn seine war geplatzt! Als er am Wochen­ende zu Hause die Bewe­gungen im weißen Anzug übte, rissen die Nähte auf. „Es ist halt eine sehr unge­wöhn­liche Bewegung, die ich beim Laufen mit durch­ge­streckten Beinen mache“, sagt er lachend. Nun hat er gleich drei Ziele für den Halb­marathon am Sonntag in Bremen: dass er ins Ziel kommt, dass die Menschen alle gemein­sam etwas mehr auf eine saubere Stadt achten – und natürlich auch, dass seine neue Hose hält.

Quelle: Dieser Artikel von Jean-Julien Beer erschien im WESER-KURIER am 8. September 2026 und bei WESER-KURIER Online am Tag zuvor


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