Stark durch die Eltern

Emin da Silva

„Auf einen Espresso“ mit dem Extremsportler Emin da Silva

Bremen – Von Ilka Langkowski. Emin da Silva ist Extremsportler. Er läuft für einen guten Zweck, für menschliche Begegnungen und bei Bedarf auch jeden Tag einen Marathon. Sein erster großer Lauf führte durch die Wüste von Namibia.
 

Viele außerordentliche Läufe folgten 

Beispielsweise sein Rückwärtsmarathon, der Sauna-Lauf und 2013 die Langstrecke von Bremen bis an die türkische Grenze. Nach 63 Marathons hintereinander ließ ihn die Türkei nicht ins Land. Dafür war er jetzt bei Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue zu Gast. Rund 40.000 Euro hat er durch seine Aktionen für soziale Projekte erlaufen. Mehr Zeit als das Training verlangt die Organisation seiner Aktionen. Er muss die richtige Idee finden und sie den Sponsoren dann auch verkaufen.

„Wenn es los geht, ist das meiste schon erledigt“, sagt da Silva. Am meisten Freude macht es ihm, dass er etwas bewegen kann. Es gebe viele, viele schöne Momente in der Vorbereitung, aber auch während seiner Läufe. Diese Begegnungen überwiegen dann die Blasen an den Füßen oder ziepende Muskeln. Mühsamer sei es hingegen, Sponsoren zu finden, sagt der Sportler: „Alle geben einem Hoffnung. Die lange Unsicherheit bis zu einer Antwort erschwert die Arbeit.“

Emin da Silvas Eltern gaben ihrem Sohn Durchhaltevermögen mit. ­ ­­ ­ (Foto: Ilka Langkowski)

Da Silva hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Er hat ein Foto seiner Eltern dabei. Es stammt aus Ostanatolien und ist am letzte Tag vor seiner Flucht nach Deutschland 1991 aufgenommen worden. 17Jahre sah er seine Eltern nicht wieder und musste zehn Jahre bis zur Bewilligung des Asylantrags durchstehen. Dann machte der bereits 28-Jährige eine schulische Ausbildung und versuchte im Berufsleben Fuß zu fassen. Es schien aussichtslos. Endlich bekam er eine Chance bei einem Fitnessstudio. Der Sport hatte ihn immer begleitet und geholfen, die Jahre des Wartens zu überbrücken. Mit seinem ersten festen Beruf begann da Silva den Extremsport. „Viel trainiere ich nicht“, sagt er. Die Energie und den Kampfgeist habe er von seinen Eltern, auf die er sehr stolz ist. Sie haben 15 Kinder aufgezogen, ohne staatliche Hilfe, niemals gejammert. „Sie gaben uns Werte mit“, sagt der Wahlbremer, „und durch sie habe ich die Stärke bekommen, nicht aufzugeben.“ Nur die Distanz, die die lange Trennung geschaffen hat, ist nicht wiedergutzumachen. Das Wiedersehen nach 17 Jahren war ein Schock: die Eltern waren alt geworden, die Geschwister erwachsen. Doch obwohl die Flucht ihn extrem viel Kraft und Tränen gekostet hat, würde da Silva es wieder tun.

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?
Emin da Silva:  Bremen ist meine Heimat geworden. Hier habe ich alle Höhen und Tiefen erlebt.

Welchen Ort mögen Sie besonders?
Emin da Silva:  Ich wohne jetzt in der Stadtmitte und gehöre wohl hierhin. Beim Laufen erlebe ich die Stadt dann komplett.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?
Emin Da Silva:  Die historische Innenstadt, Universum und Weserstadion.

Welches ist Ihr Lieblingstier?
Emin da Silva:  Der Esel. In meiner ersten Heimat hatten wir einen Esel als Transportmittel. Er und der Hund waren unzertrennlich. Manchmal waren sie tagelang unterwegs – passt auch zu den Bremer Stadtmusikanten.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?
Emin Da Silva:  Mich mit meiner Freundin in ein Café setzen, einen Spaziergang machen, das Handy ausschalten.

Was macht Sie schwach?
Emin da Silva:  Kinder, wenn sie etwas fragen oder um etwas bitten: „Darf ich mit Ihnen laufen?“

Quelle:   Artikel von Ilka Langkowski erschienen im WESER-KURIER am 19.9.2014
 
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